Blog › Was Hamburger und digitales Design miteinander zu tun haben

Von Patrizia Sonley

Längst ist uns allen bewusst, dass die Digitalisierung einige Änderungen mit sich bringt. Die Nachttischlampe lässt sich nun per App bedienen, Autos fangen an mit uns zu sprechen und unsere Kühe tragen digital vernetzte Halsbänder. Ganz nach dem Motto «Aus Alt mach Neu» gilt auch für unsere klassischen Medien ein unaufhaltsamer Wandel in das digitalisierte Zeitalter. Was einst eine Bücherei war wurde nun von Wikipedia und Kindle abgelöst. In diesem Prozess ganz wichtig ist natürlich das entsprechend leicht zu verstehende Design. Um diesen Vorgang ein wenig besser zu verstehen, gehen wir nochmals einen Schritt zurück zum aktuellen Stand bei den Printmedien.

16 Jahre lang habe ich als Polygrafin und Grafikerin gearbeitet. Da wir nun im Jahr 2017 angekommen sind war mir bewusst, dass es allerhöchste Zeit ist, sich der digitalen Welt zu öffnen. Deshalb startete ich diesen Sommer bei der SFGBB mit der HF Interaction Design.

Was ist Interaction Design?

Manch einer wird sich wohl Fragen, was sich hinter der Berufs- und Studienbezeichnung «Interaction Design» verbirgt. Der schwierig zu beschreibende Berufszweig wird wahrscheinlich in einigen Jahren seinen Namen schon wieder wechseln. Grundsätzlich geht es um die Erstellung von digitalen Designs – was auch für mich als erfahrene Polygrafin eine Umstellung ist.

Für ein besseres Verständnis nehmen wir einmal das Wort auseinander:

  • Das Wort Design steht für das kreieren von digitalen „Welten“ für jegliche Benutzeroberflächen. Diese können unter anderem Mobile Devices, Desktop (Computer), Tablets, Touch-Bildschirme am Flughafen, in Flugzeugen oder am Bahnhof sowie viele weitere sein. Eigentlich alles, was einem in digitaler Form erscheint.
  • Interaction steht für alles, was man über den Touchscreen oder mit der Maus bewegen, anfassen oder bedienen kann. Heutzutage denkt man gar nicht mehr darüber nach und wenn man etwas bedient und sich nie fragen muss, wie man zu seinem Ziel kommt und versteht, wohin man für entsprechende Inhalte durchgeführt wird, hat das Interaction Design auch gut funktioniert! Sollte man wiederum irgendwo hängen bleiben und keine Ahnung haben, was das digitale Medium von einem verlangt, spricht man von einem schlechten Design.

interaction

Das Ziel erreichen – gute Designs on- und offline

Ein gutes Beispiel, um zu verstehen was ein gutes Design ausmacht, ist meine gerade mal neun Jahre alte Nichte. Auch sie gehört zu den «Digital Natives», also den Generationen, welche mit unserer Digitalen Welt und dem Internet aufgewachsen sind. Natürlich wusste sie mit drei Jahren bereits, wie man ein iPhone entsperrt – das Design war also offensichtlicher Weise intuitiv.

Über vieler diese Dinge machen wir uns heutzutage keine Gedanken mehr, schliesslich sind wir auch in diese digitale Welt hineingewachsen. In meinem Studium werden Designs Stück für Stück auseinandergenommen, analysiert und selbst wiederum mit vollem Bewusstsein entworfen. Der Beruf hinter «Interaction Design» findet also jetzt gerade statt – und wir auch in Zukunft noch von grosser Wichtigkeit sein.

Nichtsdestotrotz werde ich persönlich die Printmedien doch immer in meinem Herzen mittragen. Zwar bin ich mir nicht sicher, wie lange etwas noch «gedruckt» wird, alleine aus dem Gedanken der Nachhaltigkeit. Auf der anderen Seite gehöre ich ehrlich gesagt selber auch zu denjenigen Menschen, welche immer noch gerne Bücher in gedruckter Form lesen. Es gilt wohl wie alles im Leben: Step by Step.

Was sich verändert – Beispiele

Wenn wir zum Beispiel nun eine Webseiten Gestaltung nehmen, dann entsteht ganz banal das Umdenken von einem Blatt Papier im Format A4 zu „grenzenlosen“ Formaten. Oder will man doch lieber scrollen und / oder klicken?

Bei den Printmedien haben sich durch die Jahrhunderte gewisse «Regeln» ergeben wie man etwas gestaltet und wie es sich die Menschen auch gewohnt sind. Diese reichen über erweiterte Vorgaben zu Zeilenumbrüchen über das Ausschreiben von Zahlennamen bis zur Position von Mengen- und Währungseinheiten. Ein Magazin, eine Zeitung oder ein Buch ist immer gleich aufgebaut mit dem Cover und formatiertem Inhalt. Man hat etwas in der Hand und die Interaktion mit dem Medium ist selbsterklärend. Selbsterklärend und Intuitiv sollte es auch in der digitalen Welt sein – und kann auch heute noch neu erfunden werden.

Bei einem digitalen Produkt hat man gewisse Freiheiten, die man zuerst verstehen muss. Nehmen wir zum Beispiel das im Titel angesprochene Burger-Phänomen. Schaut man Webseiten auf dem Handy an oder bedient man eine App mit dem klassischen «Material Design», so sieht man meist auf der linken oder rechten oberen Bildschirmseite drei parallele Linien: das Hamburger-Menu. Diese drei Striche sind als solch eine Regel im Digitalbereich nun entstanden und werden weitestgehend auch verwendet. Man weiss, dass wenn man auf dieses Symbol klickt, ein Menu bekommt, bei welchem man eine Rubrik auswählen kann. Diese neue, schnelle und anpassungsfähige Welt erlaubt es uns aber auch, selbst kreative und durchdachte Designs zu erstellen. So kreieren wir an der Fachhochschule auch unsere eigenen Ideen, um Nutzern ein angepasstes und natürliches Bedienfeld anzubieten.

Traditional vs eBook

Mein Fazit

Der Switch von Print auf Digital ist manchmal noch immer schwer nachvollziehbar. Seit 3 Monaten beschäftige ich mich aktiv mit dem Thema Interaction Design und bin bei der Cubera Solutions AG in dieses Gebiet eingetaucht. Tagtäglich werde ich nun damit konfrontiert: VR/AR Brillen, Roboter, Websites, künstliche Intelligenz oder kurz gesagt alles, was man sich vorstellen kann, wird zur Alltäglichkeit in unserer Firma. Manchmal wirkt auf mich vieles noch surreal. Es herrscht ist eine interessante Spannbreite von Menschen, welche in der digitalen Welt komplett integriert sind oder sich gerade noch einfinden.

 

Zum Schluss lässt sich sagen, dass noch viel Potenzial in der digitalen Welt liegt. Trotz allem denke ich, dass man die „reale“ Welt nicht vergessen darf. Eine gute Balance zwischen den Beiden zu halten ist in meiner Ansicht immer von Vorteil.

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